Neubau mit Sichtmauerwerksfassade
Basel, Schweiz
Planung 2016-2021
Bauzeit 2021-2027
Basel, Schweiz
Planung 2016-2021
Bauzeit 2021-2027
Kanton Basel-Stadt, Schweiz
EM2N AG, Zürich, Schweiz
Basil Amrein, Selina Arnold, Enrico Cristini, Damian Dängeli, Dëmin Dimitry, Patrick Gressler, Katarína Kormanàkovà, Luis Looser, Roberto Plaza, Dario Ruff
Das Naturhistorische Museum Basel und das Staatsarchiv Basel-Stadt sind zwei kulturelle Institutionen mit langer Tradition, deren Sammlungen und Archive für die Region Basel sowie über diese hinaus Bedeutung haben. Sie stellen der Bevölkerung ein historisch und naturwissenschaftlich bedeutendes Wissen zur Verfügung und bilden zusammen das regionale Gedächtnis von Natur- und Kulturgeschichte. Der Betrieb des Naturhistorischen Museums Basel sowie des Staatsarchivs Basel-Stadt soll in einem gemeinsamen Neubau fortgeführt werden. Die Regierung fällte den Standortentscheid zugunsten eines Areals ausserhalb der Altstadt beim Bahnhof St. Johann.
Der Projektperimeter für das Neubau-Ensemble liegt im äusseren St. Johann und umfasst rund 5‘120 m2 Grundfläche. Im Norden grenzt er an die Parzelle des ehemaligen Stellwerks Bahnhof St. Johann, im Süden und Westen an das Gleisareal der SBB und im Osten an das St. Johanns-Quartier. Das Gebäude ist insgesamt 180 m lang und in fünf Trakte eingeteilt. Es verfügt über fünf Unter- und fünf Obergeschosse sowie einen 41 m hohen Turm zum Vogesenplatz hin.
Die insgesamt 5‘300 m2 grosse Fassade ist aus roh verarbeitetem Sichtmauerwerk und Sichtbeton erstellt und ist selbsttragend. Zwischen dem Mauerwerk sind horizontale Bänder in Sichtbeton eingeflochten. Jeder der insgesamt acht Fassadenabschnitte funktioniert statisch unabhängig. Traktweise angeordnete, vertikale Fugen stellen die spannungsfreie, temperaturbedingte Ausdehnung der Fassade sicher. Das Mauerwerk liegt auf einem über die ganze Fassadenlänge verlaufenden Betonsockel auf, der wiederum auf der Decke des Untergeschosses mit elastischen Lagern aufgelegt ist.
Um die Stabilität der Fassadenteile aus der Ebene sicherzustellen, sind diese mit Ankern an die dahinterliegenden Wandscheiben des Rohbaus zurückgebunden. Bereiche der Fassade, welche nicht an den Rohbau zurückgebunden werden können, werden mit einer durchgehenden, vertikalen Edelstahlbewehrung versehen, welche wiederum im Sockel und im oberen Sichtbetonband verankert ist. Das auskragende Vordach über dem Anlieferungsbereich ist Teil des Fassadentragwerks. Es wird durch einen vorgespannten Betonträger, der aus der Verlängerung eines Sichtbetonbands entsteht, gebildet.
Der Turm verfügt über eine abweichende Fassadengestaltung. An seiner Nord- und Südseite sind Bereiche als Filtermauerwerk ausgeführt. Diese Ausführung erfüllt einen doppelten Zweck – gestalterisch und funktional: Hinter dem Filtermauerwerk sind geschosshohe Öffnungen im Rohbau für die Gebäudetechnik vorgesehen. Der untere und obere Abschluss der Filterabschnitte wird wiederum durch die Betonbänder gebildet.
Die gestalterische Qualität der Fassade basiert auf einem intensiven Entwicklungsprozess. Im Zentrum stand der «Wolken-um-Stein»-Effekt: eine überdimensionierte, nass-in-nass verarbeitete Fuge von 40 mm, die den Mörtel die Steine weich umhüllen lässt und der Fassade je nach Licht eine changierende, textile Wirkung verleiht. Die spezifisch abgestimmte Mörtelrezeptur und ein aufwendiger Bemusterungsprozess waren Voraussetzung für die Umsetzung.
Sämtliche Öffnungen im Gebäude sind im Steinraster geplant und umgesetzt worden. Die gesamte Fassade kommt ohne einen einzigen geschnittenen Stein oder Spezialformate aus.